Die Krux mit dem Datenschutz

Thomas Kast, Geschäftsführer der Zahnärztekasse AG
Telefon 043 477 66 66, kast@zakag.ch

Alles ruft nach Datenschutz. Zu Recht. Der Schutz persönlicher Daten sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Und für Unternehmen ein moralischer Imperativ. Das hindert die Technogiganten aus dem Silicon Valley nicht daran, die Daten von Milliarden von Nutzern hemmungslos zu sammeln und zu verarbeiten. Der Weltmeistertitel in der Disziplin des lockeren Umgangs mit sensiblen Daten gebührt wohl Facebook. Die Geschichte mit der Firma Cambridge Analytica, die unrechtmässig in den Besitz der Profile von gegen 87 Millionen Facebook-Nutzern gelangte und ohne deren Zustimmung auswertete, war lediglich der fulminante Auftakt einer Reihe von Datenskandalen, die nicht abzureissen scheint. Auch andere digitale Spitzenreiter haben keine weisse Weste. Zum Beispiel wurde Amazon beschuldigt, von Alexa aufgenommene Sprachdateien wildfremden Personen zugespielt zu haben. Und über Google geht das Gerücht um, dass über 1000 Android-Apps personenbezogene Informationen speichern, auch wenn dies die Nutzer nicht erlauben.

Das Dilemma

Bei jedem Datenskandal, der auffliegt, geht ein Aufschrei der Empörung durch die Medien und die Öffentlichkeit. Über die Schuldigen bestehen keine Zweifel. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass die meisten Menschen mit ihren eigenen Daten ebenso unsorgfältig umgehen wie manche der globalen Big-Data-Player. Wir surfen bedenkenlos durchs Internet, nutzen Suchmaschinen, buchen online unsere Ferienreisen, breiten in den (sogenannten) sozialen Medien unser Privatleben aus und lassen uns von Google Maps durch die Gegend lotsen. Bei diesen und zahlreichen weiteren Online-Aktivitäten hinterlassen wir Datenspuren, die leicht zu verfolgen sind. Wenn wir das nicht wollen, müssen wir auch auf viele Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten verzichten. Alles hat seinen Preis. Wenn es um Daten geht, wohnen zwei Seelen, ach! in unserer Brust. Einen Ausweg aus dem Dilemma gibt es nicht.

Schlechte Vorbilder

Wie wir als Privatpersonen mit unseren persönlichen Daten umgehen, liegt weitgehend in unserer eigenen Verantwortung. Jede und jeder muss für sich selber entscheiden, was und wie viel sie oder er von sich preisgeben will. Anders sieht es aus, wenn wir die Datenproblematik aus der umgekehrten Perspektive betrachten. Also dann, wenn wir als Unternehmen in den Besitz persönlicher Daten von Kundinnen, Kunden und weiteren Anspruchspersonen gelangen. Da finden wir uns plötzlich in der Position von Google, Facebook, Amazon & Co. wieder. Nur sollten wir unsere Verantwortung etwas ernster nehmen als diese.

Strenge gesetzliche Vorschriften

Sich bei schludrigem Umgang mit Daten einfach herauszureden, wie das die Chefs der Big-Data-Player zu tun pflegen, ist keine Option. Denn das Auge des Gesetzes wacht über uns: Das Datenschutzgesetz (DSG) schreibt vor, dass Personendaten – zum Beispiel Daten von Patientinnen und Patienten – nur mit ausdrücklicher Einwilligung der Betroffenen an Dritte weitergegeben werden dürfen. Im medizinischen Bereich kommt zusätzlich das Strafgesetz ins Spiel: Bevor medizinische Fachpersonen Patientendaten weitergeben, müssen sie sich – wiederum ausdrücklich – vom Arzt-, respektive Berufsgeheimnis entbinden lassen. Wer auf der sicheren Seite sein will, legt allen Patientinnen und Patienten eine schriftliche Einwilligungserklärung im juristisch korrekten Wortlaut zu diesen zwei Punkten zur Unterschrift vor. Denn kaum etwas ist frustrierender, als hart erarbeitetes Honorar für Strafzahlungen auszugeben.